Mit Bildern Ängste bekämpfen

Beim Begegnungstag der Landfrauenvereinigung steht positives Denken im Vordergrund


Foto: Thomas Zimmermann



Am Nachmittag war die Mulfinger Kulturscheune beim Begegnungstag der Landfrauen sehr gut gefüllt.

Des ist ein Gelump, des steht fest“, sagt Elisabeth Ruck und lacht. Die Leiterin des „Begegnungstages für Frauen aus Stadt und Land“ hat sich in der Mulfinger Kulturscheune kurzerhand als Mikrofonhalterin betätigt. Ausgerechnet als die Schriftstellerin Gertrud Zelinsky ihren Vortrag „Bevor ich auf der Strecke bleibe – Vom positiven Denken“ beginnt, hat das Mikro Aussetzer. Beide Frauen nehmen das Missgeschick mit Humor. „Schmerzen in den Beinen habe ich nicht, aber in den Fingern“, bekennt Ruck nach einer guten Stunde.

„Ich bin nicht auf der Strecke geblieben“, sagt Gertrud Zelinsky in Anspielung auf ihren Vortrag schmunzelnd. Mit klarer Stimme hat die Schriftstellerin aus Niederstetten zuvor mit oder ohne technische Unterstützung ihre Botschaft an die Frau gebracht. „Haben Sie auch mal den Mut über die Stränge zu schlagen“, fordert Zelinsky die Frauen auf, die aus dem ganzen Jagsttal in die Kulturscheune gekommen sind. Die meisten sind Mitglieder bei den Landfrauen. Als die Niederstettenerin zwischendurch den Satz: „Im April werde ich 80 Jahre alt“, einfließen lässt, geht ein erstauntes Raunen durch den Saal.

Sieben Säulen des positiven Denkens hat die Autorin mitgebracht. Phantasie, Begeisterungsfähigkeit, Bescheidenheit und Zufriedenheit gehören genauso dazu, wie Gelassenheit, das Verzeihen und Gottvertrauen. „Ein Mensch, der auf Gott vertraut, wird immer in der Lage sein, positiv zu denken und nach Rückschlägen wieder aufzustehen“, schließt die erfolgreiche Autorin, die insgesamt 15 Sachbücher und Romane veröffentlicht hat.

Sich Zeit nehmen, reden, zuhören, aufeinander zugehen – das ist die Idee, die hinter dem Begegnungstag steckt, der unter dem Motto „Von der Kraft der Bilder“ steht. Die Idee kommt an – die Kulturscheune ist am Mittwochnachmittag mit 80 Frauen gut gefüllt. „Es ist schön, dass sich so viele Frauen einen Tag frei halten für die Begegnung mit Gott und den Menschen“, freut sich Ingo Kuhbach, der den Tag traditionell mit einer Abendmahlsfeier in der Mulfinger Kirche St. Kilian eröffnet. Anschließend spricht der Dekan des katholischen Dekanats Hohenlohe über die Wirklichkeit der Bilder. „Auch bei Bildern muss man oft sehr genau hinschauen, was man wirklich sieht“, mahnt Kuhbach mit Blick auf die Bilderflut, die im Handyzeitalter herrscht. „Stellen Selfies die Wirklichkeit dar oder sind nicht innere Bilder der Wirklichkeit näher“, regt der Dekan zum Nachdenken an.

Zwischen den Vorträgen bleibt viel Zeit zum Reden und auch für das leibliche Wohl ist gesorgt. „Um 8.30 haben wir angefangen, Kartoffeln für den traditionellen Kartoffelsalat zu schälen“, erzählt die Vorsitzende des Landfrauenvereins Mulfingen Martha Friedrich, die mit ihrem Team für die Organisation des Tages zuständig ist. „Wir machen das seit mehr als 30 Jahren“, ergänzt Irmgard Zipf, die Kassiererin der Landfrauen.

Seit vielen Jahren dabei ist auch Rosa Zeller. „Ich bin eigentlich jedes Jahr da und finde die Veranstaltung einfach schön. Man kann Kraft schöpfen für den Alltag“, betont die Ailringerin. Sie hat in diesem Jahr ihre Freundin Gerlinde Ruck ermuntert, mit nach Mulfingen zu kommen. „Es hat mir sehr gut gefallen, auch die christliche Grundhaltung, die hier herrscht, tut gut“, hat die Klepsauerin diesen Schritt nicht bereut. Im nächsten Jahr will sie wiederkommen. Dann lautet das Motto: „Das liegt mir schwer am Herzen“. Auch Elisabeth Ruck liegt ein Wunsch schwer am Herzen. „Ich wünsche mir von der Gemeinde ein funktionierendes Mikrofon, das die Reden auch in die Küche überträgt“, betont sie. Schließlich sollen die fleißigen Helfer auch etwas vom Begegnungstag haben.

(Thomas Zimmermann, Hohenloher Zeitung, 13.01.2017,  www.stimme.de)