Festliche Prozession bei frühlingshaftem Wetter

Rund 200 Menschen nehmen an Fronleichnams-Gottesdienst und Prozession in Neuenstein teil


Foto: Frank Lutz



Ein willkommener Gast zeigt sich gestern Vormittag über Neuenstein: Die Sonne strahlt vom Himmel und verbreitet frühlingshafte Temperaturen. Für die katholischen Kirchgänger kommt die seltene Himmelserscheinung allerdings zu spät: Wer gestern Morgen den Park an der Walk betritt, wo die Fronleichnams-Messe ursprünglich gefeiert werden sollte, wird von Hinweisschildern begrüßt, dass der Gottesdienst in die katholische Christus-König-Kirche verlegt wurde. Schuld war der Wetterbericht, der Regen angekündigt hatte.

Gemeindepfarrer Klaus Kempter hat dann aber doch alle Hände voll zu tun, als er die Gäste vor der Kirche begrüßt: Rund 200 Menschen nehmen an der Messe und der anschließenden Prozession teil. Ganz verwundert ist Kempter nicht über den großen Andrang: „Der Fronleichnams-Gottesdienst ist immer ganz ordentlich besucht.“ Auch Mitglieder der evangelischen Gemeinde nähmen an dem Feiertag häufig an der katholischen Messe teil. Ein ökumenisches Zeichen setzt auch die Kollekte: Das gesammelte Geld kommt der evangelischen Gemeinde für die Sanierung ihrer Stadtkirche zugute. Doch Bedeutung habe das Fest des heiligsten Leibes und Blutes Christi vor allem für Katholiken, sagt Kempter: „Die Prozession ist ein Zeichen dafür, dass das spirituelle Geheimnis, das wir feiern, Relevanz im Alltag hat.“

Vikar Michael Ott, der den Gottesdienst hält, äußert sich ähnlich. In seiner Predigt ruft er dazu auf, den christlichen Glauben in die Öffentlichkeit zu tragen: „Jeder Gottesdienst soll seine Fortsetzung im Weltdienst finden, soll in unser Leben hineinwirken, sich in unserem Leben fortsetzen.“

Dass das Hochfest auch für die Kirchgänger eine große Bedeutung hat, zeigt das Beispiel der 81-jährigen Johanna Grein, die aus Öhringen gekommen ist. „Fronleichnam ist das Fest der Einsetzung des Abendmahls“, sagt sie und fügt hinzu: „Für mich ist es nicht nur eine Tradition, sondern ein Fest des Glaubens.“

Dann setzt sich die gesamte Gemeinde in Bewegung. Kempter schreitet mit der Monstranz in den Händen unter dem von vier Männern getragenen Himmels-Baldachin voran, die Gemeindemitglieder folgen. Dazu spielen die Musiker der Stadtkapelle, die Gottesdienst und Zug begleiten, festliche Klänge. Auf dem mit einem runden, farbenfrohen Blumenteppich geschmückten Vorstadtplatz hält der Zug an. Kempter liest aus dem Johannes-Evangelium, kniet vor dem aufgebauten Altar nieder, beweihräuchert ihn, erteilt den eucharistischen Segen. Dann geht es zurück zur Kirche, wo der Festgottesdienst mit den feierlichen Klängen von „Großer Gott, wir loben dich“ seinen Abschluss findet.

(Frank Lutz, Hohenloher Zeitung, 31.5.2013,  www.stimme.de)