Mit Gottvertrauen für Menschen da sein

Matthias Ankenbrand ist erster Diakon in der Seelsorgeeinheit „Mittleres Kochertal“


Foto: Stefanie Jani



Die Antwort auf die Frage, warum er Diakon geworden ist, ist ganz einfach: „Ich glaube, Gott wollte mich“, so formuliert es Matthias Ankenbrand. Gut, ein bisschen mehr ist dazu schon zu sagen. Der Künzelsauer lächelt und erklärt: „Ich bin mit der Kirche aufgewachsen, und sie hat immer zu meinem Leben dazugehört. Ich wollte schon lange mehr über die Musik hinaus bewirken – direkt bei den Menschen“, erklärt der Kirchenmusiker aus Künzelsau. Seit letzten Sonntag hat er dazu Gelegenheit.

Der 45-Jährige ist Ingelfingens erster Diakon – und damit auch eine große Hilfe für den katholischen Pfarrer Markus Morgen, der strahlend feststellt: Jetzt ist unser Team endlich komplett.“

Ankenbrand ist Diakon zu 100 Prozent, ist aber vom Bischof zur Hälfte freigestellt, um Kirchenmusiker in Künzelsau bleiben zu können. Und die Musik bleibt auch in Künzelsau, wo er seit zwölf Jahren als Kirchenmusiker arbeitet, erklärt der Diakon nach seinem ersten Gottesdienst: „Keine Angst, ich werde jetzt musikalisch nicht alles in Ingelfingen auf den Kopf stellen“, sagt er und wendet sich an den Chor, der gerade für ihn gesungen hat.

Seine Ziele sind ganz andere. „Ich bin ganz scharf drauf, raus zu den Menschen zu gehen“, betont der Vater von vier Töchtern. Ankenbrand grinst: „Am meisten freue ich mich auf mein Büro und die Zeit, die ich dort nicht verbringen werde.“ Seinen Blick möchte er besonders auf die richten, die am Rande der Gemeinde stehen. Das heißt: Familien, Alleinerziehende und alle, die Sehnsucht haben, dazu zu gehören, will er ins Boot zu holen. „Wobei das natürlich die Aufgabe von allen ist, nicht nur meine“, meint er bescheiden. „Ich will mich ganz unbefangen jedem Menschen zuwenden, der „den Weg über die Kirchenschwelle nicht mehr findet“.

Besonders freut sich der studierte Kirchenmusiker auf die Arbeit mit den Senioren, eine der Hauptaufgaben als Diakon in Ingelfingen. Alle sechs Wochen darf Ankenbrand bei einer Predigt direkt zur Gemeinde sprechen.

Sein Pluspunkt, sagt der gebürtige Jagsttäler mit einem sympathischen Lachen: „Ich weiß eben, wie die Hohenloher ticken, ich bin ein waschechter Einheimischer durch und durch.“ Mit seinen Töchtern Silva (13), Sabina (11), Natalie (7) und Maria (4) sowie Ehefrau Dunja will er seiner Heimat treu bleiben.

Genau diese Mentalitätskenntnis nutzt er für seine Arbeit. Gleich die ganze Gemeinde auf den Kopf zu stellen, sei überhaupt nicht seine Art. Die erste Zeit, will er deshalb zuhören – vor allem den Ehrenamtlichen, die sich seit Jahren einsetzen. Ist es also gut, der erste Diakon zu sein? Ankenbrand überlegt und meint schließlich: „Die positive Seite überwiegt.“ Zwar trete er in keine Fußstapfen, aber auf der anderen Seite könne er seine Arbeit ganz frei gestalten.

Mit seiner wohlüberlegten und dennoch offenen Art hat er bei den Gemeindemitgliedern am Sonntag gleich gepunktet. „Er ist sehr offen“, sagt Sabine Jungmann und überlegt weiter. „Er hat ja gesagt, er möchte auch die Leute, die außerhalb stehen, wieder in die Kirche holen.“ Die dreifache Mutter hofft, dass auch „auch wieder mehr Familien mit Kindern kommen“.

Der 45-jährige Matthias Ankenbrand ist in Hohenrot bei Mulfingen geboren. Nur das Studium der Kirchenmusik in Würzburgund Mainz hatte Jagsttäler für einige Jahre aus Hohenlohe weggezogen. In dieser Zeit begann er sein Arbeit als Kirchenmusiker in Künzelsau. Erste Anläufe zum Diakon hatte er bereits 1987 unternommen. Doch ein Hausbau und vier Kinder legten die Ausbildung bis 2007 auf Eis.

(Stefanie Jani, Hohenloher Zeitung, 18.9.2012,  www.stimme.de)