Ein Diakon mit christlichem Truck

Westernbacher Klaus Hohl wurde im Rottenburger Dom von Weihbischof Renz zum Diakon geweiht − Predigt am Sonntag


Foto: Regina Koppenhöfer



"Dschiesuhs lafs juh", Jesus liebt dich, steht auf Klaus Hohls T-Shirt. Er ist der neue Diakon in der katholischen Seelsorgeeinheit Öhringen-Neuenstein.
Eigentlich ist Klaus Hohl einer, der mit seinem LKW auf den Straßen Süddeutschlands unterwegs ist. Schon lange aber hat der 56-jährige sich auch auf die Wege des Herrn begeben. Dass er für seinen Glauben gar noch mal die Schulbank drücken würde, das lässt den bärigen Typen über sich selbst immer noch ein wenig verwundert schmunzeln. Vor sieben Jahren hat Klaus Hohl sich dazu entschlossen, Diakon mit Zivilberuf zu werden. Nach Studium, praktischen Ausbildungsphasen und Prüfungen wurde der Westernbacher an Pfingsten nun gemeinsam mit fünf anderen verheirateten Männern im Rottenburger Dom von Weihbischof Thomas Maria Renz zum Diakon mit Zivilberuf geweiht. Am Sonntag wird Hohl in der St. Josephs Kirche, wo er das Pastoralteam künftig verstärken wird, offiziell im Gottesdienst als Diakon vorgestellt.
Ganz entspannt, stets mit einem sympathischen Lächeln im Gesicht, erzählt Klaus Hohl aus seinem Leben und von seinen Beweggründen, mit Mitte 50 noch Diakon zu werden. Aus seinem Christ-Sein hat der fünffache Familienvater nie ein Geheimnis gemacht. Auf dem weißen Truck des Fernfahrers prangt über der Windschutzscheibe weithin sichtbar der Spruch "Jesus lebt". Auf Raststätten ist Klaus Hohl bei den Kraftfahrerkollegen deshalb auch als "der mit dem christlichen LKW" bekannt. "Durch den Spruch habe ich immer wieder schöne Begegnungen", freut sich Diakon Hohl.
Um Diakon zu werden, dafür hat Hohl einiges auf sich genommen. Ein dreijähriges Fernstudium, Schulungsaufenthalte − gemeinsam mit seiner Ehefrau Conny − im Ausbildungszentrum für ständige Diakone der Diözese Rottenburg-Stuttgart, praktische Einsätze und die Ausbildung in der Heimatkirchengemeinde liegen jetzt hinter ihm. Pastoraltheologie und Kirchenrecht hat der Kraftfahrer gepaukt. In der Justizvollzugsanstalt in Schwäbisch Hall hat er während seiner Ausbildung Gefangene im lockeren Vollzug begleitet. Klaus Hohl hat das alles gern gemacht, denn Gespräche und Begegnungen mit den Menschen liegen ihm am Herzen.
Als Diakon wird Hohl künftig in der Seelsorgeeinheit Öhringen-Neuenstein mithelfen. Er wird bei der heiligen Messe assistieren, Glaubensgespräche führen, Wortgottesdienste und Andachten feiern oder auch die Krankenkommunion spenden. Hohl wird aber auch weiterhin in seinem Zivilberuf als Kraftfahrer mit seinem LKW unterwegs sein und bei dieser Gelegenheit Fernfahrerseelsorge betreiben.
Ein Markenzeichen hat Hohl heute schon. Der neue Diakon ist bekannt dafür, bei jedem Wetter − sommers wie winters − barfuß in Birkenstockschuhen daher zu kommen. Diese trägt er auch, wenn er in seiner Albe, dem weißen liturgischen Gewand, in der Kirche steht und predigt. "Wenn ich in die Bibel gucke, was für Leute Jesus trifft, da denk ich mir, Gott kann auch was mit mir anfangen", sagt Hohl mit freundlichem Lächeln. Predigen wird er kommenden Sonntag wieder. Übers Reich Gottes wird er sprechen. "Ich will zeigen, dass das Reich Gottes auch bei uns hier schon sichtbar werden kann. Das Reich Gottes ist nichts, was man ins Jenseits verschieben muss. Dort, wo Menschen sich auf Augenhöhe begegnen, dort ist das Reich Gottes."

Von Regina Koppenhöfer , Hohenloher Zeitung, 09.06.2015,  www.stimme.de