Den Heiligen Sebastian gut ins Licht gesetzt

Innenrenovierung der Sankt-Jakobus-Kirche ist abgeschlossen – Bei knapper Kasse Kreativität gefragt




Hubert Lung aus Nagelsberg freut sich: „Die hat den Charakter einer Kapelle“, sagt er über die katholische Sankt-Jakobus-Kirche. Hubert Lung ist Experte für Nagelsberger Orts- und Kirchengeschichte. Die Innenrenovierung der kleinen Kirche mitten im Ort war ihm ein Herzensanliegen. Und nicht nur ihm. Hilde Braun, zweite Vorsitzende des Kirchengemeinderates, erinnert sich an viele Diskussionen und Vorstöße zur Sanierung der Kirche. Und jetzt, kaum zu glauben, ist tatsächlich fertig, was vor gut fünf Jahren begonnen wurde. Sie nennt die kleine Kirche schlicht „putzig“.

Die Nagelsberger stehen ihrer Kirche nahe. Das zeige sich vor allem an jedem 20. Januar. Dann betet die Gemeinde in einem stets gut besuchten Gottesdienst gemeinsam einen Rosenkranz. Sie erfüllt damit ein Gelübde aus dem Jahre 1624. Damals starb der letzte Pestkranke im Ort. Die Gläubigen gelobten, dass sie fortan immer am 20. Januar, dem Tag des Heiligen Sebastian, einen Rosenkranz beten werden.

Die Renovierung leitete Architekt Andreas Graziadei. Vor allem die Feuchtigkeit hatte den Wänden, der Treppe und den Heiligenfiguren an den Wänden stark zugesetzt. „Aus den Figuren hat es rausgeheult, so feucht war es“, beschreibt er die Schäden. Deshalb soll noch eine Belüftung eingebaut werden, um künftig solche Schäden zu vermeiden. Auch die Treppe, die zur Kirche führt, musste erneuert werden. Dies erforderte Verhandlungen mit der Stadt, weil die Treppe städtisch ist. Die erste Reihe der Kirchenbänke wurde entfernt, um mehr Platz für Taufen und Trauerfeiern zu haben. Apropos Taufen: Der Taufstein wurde vom hinteren Kirchenteil nach vorne neben den Altar geholt. Wobei: Einfach eine Reihe Kirchenbänke auszubauen sei gar nicht möglich, betont Architekt Graziadei. Erst müsse der Kirchengemeinderat zustimmen, dann die Diözese, dann der Denkmalschutz. Mehr ins Blickfeld wurde die Figur des Heiligen Sebastian geholt. Stand sie zuvor in einer Nische, blickt sie nun seitlich des Altars auf die Gläubigen. Außerdem wurde das Tabernakel versetzt.

Ein Projekt harrt noch der Vollendung: Ein kleiner Seitenaltar soll entstehen. Und zwar dort, wo zuvor – wenig weihevoll – Putzmittel lagerten. Jetzt sind sie in der ebenfalls renovierten Sakristei verstaut. Für den Seitenaltar fehlen indes noch Sponsoren, deutet der Architekt an.

Bei aller Kreativität müssten jedoch immer auch die engen Grenzen der Vorschriften und des Denkmalschutzes berücksichtigt werden. Einfach in den Baumarkt gehen und dann loslegen, das gehe nicht, sagt Graziadei. Vieles, was wünschenswert wäre, müsse bei solchen Maßnahmen zurückstehen, betont er. In Nagelsberg ging es beispielsweise darum, dafür zu sorgen, dass die Lampen nicht von der Decke fallen. Es ging bei der Sanierung also schlicht um Personenschutz.

Brutto 95 000 Euro standen zur Verfügung. Der Löwenanteil kommt von der Diözese, aber auch die Kirchengemeinde muss sich an den Kosten beteiligen. Im Kern ging es bei der Renovierung jedoch um Reinigung. Die Wände waren fleckig von der Feuchtigkeit.

Gut erkennbar ist nun wieder die kleine Wandmalerei, die Christophorus zeigt. Und manchmal kann man auch mit gezielt gesetzten Lichteffekten viel bewirken, sagt der Architekt. Wie auf Kommando schaltet Hilde Braun die neuen Scheinwerfer ein, die den Altarraum sogleich in ein warmes Licht tauchen.

 

Historie: Die 1516 erstmals urkundlich erwähnte Sakristei wurde durch einen Anbau 1607 zur Kirche. 1680 erfolgte die erneute Erweiterung. Es gab mehrfach Renovierungen, zuletzt 1977 bis 1979.

 

Henry Doll, Hohenloher Zeitung, 17.08.2017,  www.stimme.de