Die Reformation gerockt

Kirchengemeinden begeistern mit Luther-Musical „Mönsch Martin!“


Foto: Sabine Weiß



Die Bänke von St. Paulus sind voll besetzt, in den Gängen sitzen die Jüngsten im Schneidersitz auf dem Boden, und hinten stehen die Erwachsenen, die keinen Platz mehr ergattern konnten. 500 Jahre ist es her, dass Luther seine 95 Thesen erstellt hat. Über 500 Interessierte besuchen am Sonntagabend das Musical „Mönsch Martin!“, das die Künzelsauer Pfarrerin Gudrun Ederer und Kirchenmusikerin Theresa Schäfer anlässlich des Reformationsjubiläums auf die Beine gestellt haben. Gemeindemitglieder der Evangelischen Kirchengemeinde Künzelsau und der Katholischen Kirchengemeinde St. Paulus bringen gemeinsam Szenen vom Leben und Wirken des Bibelübersetzers auf die Bühne. Dabei wirken der ökumenische Kinderchor Cantis, die Theatergruppe der Georg-Wagner-Schule, ein Projektchor sowie eine Jazzcombo mit.

Donner grollt, in der Kirche ist es stockdunkel, allein die Bühne ist in ein schwach-blaues Licht getaucht. Martin Luther, gespielt vom elfjährigen Simon Hartmann, eilt auf die Bühne. In diesem Gewitter beim Dorf Stotternheim gelobt der junge Luther, Mönch zu werden.

Die Sänger des Kinder- sowie Projektchors unterstützen die Szene: In Schwarz gekleidet spielen diese die Mönche des Klosters der Augustiner-Eremiten und laufen „Kyrie Eleison“ singend zur Bühne.

Nicht nur das perfekte Zusammenspiel von Theater und Musik kommt beim Publikum gut an: „So eine wunderbare Kooperation wird dem Jubiläum am besten gerecht. Hier kommt alles zusammen: Theater und Musik, Jung und Alt, evangelisch und katholisch“, schwärmt Zuschauerin Marion Jünger aus Kupferzell. „Die Kinder vom Chor und der Theatergruppe werden immer zur richtigen Zeit von den Erwachsenen unterstützt. Jeder macht das, was er gut kann. Ich bin begeistert“, sagt sie.

Auf die Idee, ein solch kooperatives Musical einzustudieren, sei sie gekommen „weil es sowieso schon einen ökumenischen Kinderchor gibt. Und weil man das Reformationsjubiläum mit viel Musik feiern sollte“, erinnert sich Ederer. Immerhin habe Luther die Kirchenmusik gewissermaßen erfunden und durch Lieder die gute Nachricht der Liebe Gottes vermittelt, ergänzt sie.

Bei der Umsetzung des Stücks habe man vor allem darauf geachtet, die Szenen kindgerecht und auch lustig umzusetzen. Dieses Vorhaben ist den Verantwortlichen gelungen. Für Lacher sorgt beispielsweise die Rolle des Malers Lucas Cranach. Als Luther diesen bittet, seine 95 Thesen zu vervielfältigen, antwortet der nur trocken: „Mensch Martin, wenn das so weitergeht, dann wird man in 500 Jahren noch über dich reden!“

(Sabine Weiß, Hohenloher Zeitung, 03.11.2017,  www.stimme.de)