Alte Herrlichkeit in neuem Glanz

Festgottesdienst setzt am Sonntag den Schlusspunkt hinter die 18-monatige Sanierung der Kilianskirche




Noch steht das Schild mit dem Hinweis „frisch gestrichen“ am Eingangsportal der Kilianskirche in Bieringen. Sowohl im, als auch um das historische Gebäude herum wird am letzten Feinschliff gearbeitet. Ein halbes Jahr lang wurde in Bieringen im Gemeindehaus Gottesdienst gehalten. Nun erstrahlt das Gotteshaus nach 18-monatiger Bauzeit in neuem Glanz und wird am Sonntag bei einem Festgottesdienst wieder mit Leben gefüllt.

Pfarrer Volker Keith und Architektin Karin Host sind hochzufrieden mit dem Resultat der zwei Bauphasen, die die vergangenen Jahre prägten. Bei einer der regelmäßigen Begutachtungen der Kirche waren vor zwei Jahren große Schäden am Dach festgestellt worden. Eine Spezialfirma tauschte das alte Gebälk aus, die komplette Dacheindeckung wurde erneuert. „Den Bieringern war wichtig, dass das alte Muster auf dem Dach erhalten bleibt“, erklärt Pfarrer Keith. Die großen Kreuze aus bunten Ziegeln sind schon von weitem zu sehen.

Anschließend ging man der Ursache für die großen Risse im Mauerwerk auf den Grund. Alterungs- und Witterungsbedingungen, die für Spannung in der Mauer sorgen, waren dafür verantwortlich. „Die Kirche ist im Barock entstanden. Die verwendeten Materialien führen nach so einer Zeit häufig zu Rissbildung“, erläutert Bauleiterin Karin Host. In der Decke wurden drei Spannanker versenkt, die für Stabilität sorgen sollen. Dabei war äußerste Vorsicht geboten. „Bei so einem Bauwerk kann man nicht mit Feuchtigkeit arbeiten, also musste trocken gebohrt werden“, so die Architektin. Dabei hätten Inneneinrichtung und Stuck in Mitleidenschaft gezogen werden können. Daher wurde alles aus der Kirche entfernt oder wenigstens so gut wie möglich geschützt. „Das Deckengemälde haben wir mit einer Art Flüssigpflaster geschützt“, erzählt Keith. Anschließend mussten Wände und Decken neu verputzt werden. „Die Kirche soll ein Ort des Wohlfühlens sein“, erklärt Keith die Auswahl der sanften Gelb- und Rosétöne, die die Farbgebung von Fenstern und Empore aufgreifen. Auch Urban Kreuz, der gerade die letzten Lichtinstallationen betreut, findet: „Die Kirche hat einen ganz anderen Charakter bekommen.“

Besonders freut sich Pfarrer Keith über das große Engagement, mit dem sich viele Freiwillige in das Projekt eingebracht haben. „Wir haben einen sehr arbeitsfreudigen Gemeinderat, der viel bewegt“, sagt der Pfarrer. Erst am vergangenen Samstag hätte man sich wieder zu einer großen Putzaktion zusammengefunden. Holzteile wurden geölt und poliert. Statuen abgestaubt und auf Hochglanz gebracht. Im kommenden Frühjahr sollen noch die Außenanlagen erneuert werden, denn die Wege zwischen Kirche und Friedhof sind voller Stolperfallen.

970 000 Euro wurden für das Renovierungspaket veranschlagt. Diözese, Gemeinde, Landesdenkmalamt, aber auch Spenden und Eigenmittel decken diese hohe Summe. „Nach jetzigem Stand bleiben wir im Kostenrahmen“, so Karin Host. Der dritte Bauabschnitt sei in diese Summe bereits eingerechnet. Wenn noch Geld übrig bleibe, und die Zustimmung aller Seiten erfolge, könne man sich noch einem versteckten Schmuckstück widmen: einem Buntglasfenster, das den Heiligen Kilian zeigt und das sich derzeit hinter dem Hochaltar verbirgt. Nur von außen ist es zu sehen. Im Zuge der Sanierungsarbeiten wurde es ausgeleuchtet und brachte mit seiner Strahlkraft alle zum Staunen. „Die Leute haben gesehen, was sich hier noch Wertvolles versteckt“, so Host.

 

Denise Fiedler, Hohenloher Zeitung, 25.11.2017,  www.stimme.de