Der Georgsritt in Marlach  -  Segen für Tiere und Flur

Zwei Stunden sitzen Martina Eckert und Ina Mühlbeyer bereits im Sattel, als sie vor der Pfarrkirche St. Georg ankommen. "Wir sind im Muthof los geritten", erzählt Martina Eckert. Der Reiterin aus Westernhausen gibt es ein gutes Gefühl, beim Georgsritt mit dabei zu sein. "Pferde und Reiter erhalten den Segen", erklärt sie.
Der Ritt zu Ehren des Schutzpatrons ist für Vanessa Andres auch ein Gemeinschaftserlebnis. "Es macht einfach Spaß, in einer großen Gruppe über die Flur zu reiten", versichert die junge Reiterin aus Forchtenberg auf ihrem Irish Tinker "Black Lady". Die Hufe von 32 Pferden klappern auf dem Straßenpflaster vor der Pfarrkirche in Marlach. Dort beginnt die Prozession, bei der die Gläubigen auch um Schutz und Segen bitten. Hartmut Spiegler reiht sich auf seinem Irish Tinker in die Reiterschar. "Es ist wichtig, dass diese Tradition erhalten wird", erklärt der ehemalige Marlacher, warum er am Georgsritt teilnimmt. Tradition hat die Reiterprozession in Marlach. Rolf Möhler gehörte zu den reitenden Ministranten bei den ersten Prozessionen. "1949 wurde mit dem Georgsritt in Marlach begonnen", erzählt der Senior. Die Zeiten, in denen er auf dem Rücken eines Pferdes teilnahm, sind für ihn schon lange vorbei. Der Marlacher gehört zu den Pilgern, die sich zu Fuß auf den Weg zur Kreuzkapelle nach Altdorf machen. Blasmusik von den Marlacher Musikanten begleitet ihren Weg, den sie singend und betend zur Ortschaft hinaus gehen. Das Aprilwetter legt während der Prozession am Sonntag eine Pause ein. Die mitgebrachten Regenschirme dienen als Wanderstöcke.
Saftig grün sind die Wiesen, an denen der Weg der Pilger vorbeiführt. Löwenzahn, Gänseblümchen und Wiesenschaumkraut setzen Farbtupfer. Apfel- und Kirschbäume blühen um die Wette. "Man nimmt alles so selbstverständlich", meint Ina Mühlbeyer und schaut in die Frühlingslandschaft, aus der sich der Winter verabschiedet hat und die nun grünt und blüht. "Der Georgsritt verdeutlicht die Freude an der Natur und Gottes guter Schöpfung", sagt Anita Freund aus Hachtel, die zum ersten Mal mit reitet. Eine besondere Verbindung zum Georgsritt hat Kurt Kuhn. Ihm gehört der Bildstock aus Sandstein, der den Heiligen zeigt und der eine Station auf dem Pilgerweg zur Kreuzkapelle in Altdorf ist. Dekan Carsten Wagner fordert die Gläubigen auf, Felder, Gärten und Flur zu pflegen und zu bewahren
Dem Heiligen Georg, der den Tod als christlicher Märtyrer starb und der zu den 14 Nothelfern zählt, ist auch die Pfarrkirche in Marlach geweiht. "Wir feiern mit dem Georgsritt auch unser Patrozinium", erklärt Roman Link vom Kirchengemeinderat, der die Reiterprozession organisiert. Die Festhalle ist daher nach der Prozession Treffpunkt für die ganze Gemeinde. Fast kein Stuhl ist in der Halle mehr frei.
"Der Georgsritt ist für Marlach ein besonderes Ereignis", sagt Ortsvorsteher Karl-Heinz Beck. Ihn freut es, dass so viele Reiter, Kutschen und Pilger dabei sind.
Claudia Burkert-Ankenbrand, Hohenloher Zeitung, 25.04.2012,    www.stimme.de